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Zur Geschichte der Dörfer Hahn und Friesenrath

Hahn und Friesenrath liegen in der Vennfußfläche, einer Zone am Nordrand des Hohen Venns mit einer Höhe von 220 bis 300 Metern, die nördlich  in den Zwickel zwischen Inde und Vicht abfällt.

Geologisch besteht das Land um Hahn und Friesenrath aus mehreren Kalksteinstreifen, welche parallel zu den Höhenschichten von Südosten  kommend über Schmithof bei Walheim bis nach Gressenich im Nordosten verlaufen. Die Geologie Hahns und Friesenraths ist wesentlich geprägt durch die Kalkschichten des Oberdevons. Die Kalkvorkommen hatten für die beiden Orte  neben der Viehzucht eine große wirtschaftliche Bedeutung.

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung des Fleckens  Friesenrath sind römischen Ursprungs. Eingehende Grabungen in den Jahren 1923/24 (M. Schmid-Burgk) westlich des Friesenrather Hofes haben einen  römischen Gutshof ("villa rustica") zu Tage gefördert. An den im  Boden gefundenen Fundamenten und Mauerteilen war abzulesen, dass der Gutshof  längere Zeit genutzt worden war, dass Um- und Anbauten stattgefunden hatten,  dass Heizungsanlagen vorhanden waren usw., aber auch, dass durch Raubgrabungen  manches zerstört und abhanden gekommen sein musste.

Nach der noch vorgefundenen Keramik konnte die Erbauung des  Gutshofes auf die erste Hälfte des 
2. Jh. n. Chr. datiert werden. Auch gab es  Anzeichen für eine Zerstörung um das Jahr 200 n. Chr.

Nördlich des Friesenrather Hofes lag eine weitere  Ausgrabungsstätte. Hier wurden die Fundamente eines Wartturmes mit etlichen  Nebengebäuden gefunden. Auch hier haben die Grabungen von 1923/24 Klarheit  geschaffen: Es handelte sich nicht um eine römische Anlage, sondern der Turm  war im Kern spätkarolingisch, etwa aus der Zeit der Normanneneinfälle. Im 11.  Jh. ist die Anlage durch eine Ummantelung verstärkt und vielleicht auch erhöht  worden.

Über das Schicksal der Vennfußfläche in nachrömischer Zeit  ist nichts bekannt. Es wird angenommen, dass teilweise Reste römischer Siedlungen weiterbestanden. Erst die karolingische Zeit brachte dem Gebiet  Aufschwung und erneute Bedeutung. Ludwig der Fromme, ein Sohn Karls des Großen,  gründete das Benediktinerkloster Inda an der Stelle des römischen Varnenum. Der  genaue Umfang der Ländereien der Reichsabtei ist nicht bekannt. Jedenfalls gehörten  die Gebiete Hahns und Friesenraths zum Territorium des Klosters, das später den  Namen Cornelimünster erhielt.

Die erste Erwähnung von Hahn hat denn auch mit der Beziehung  zum Kloster zu tun. In einer Urkunde des Abtes Wilhelmus aus dem Jahre 1261 wird  dem Magister Gerhard, dem Prokurator der Marienkapelle in Hahn, eine  Jahresrente sichergestellt. Im August 1280 wird durch eine weitere Urkunde  dafür gesorgt, daß durch die Abordnung eines geeigneten Mönches an die Kapelle  in Hahn der Gottesdienst gewährleistet wird.

Die älteste schriftliche Erwähnung Friesenraths, die wir  kennen, finden wir in einer Urkunde vom 10. November 1334. In dieser Urkunde,  die der Kölner Erzbischof dem Abt von Cornelimünster und dem ganzen Konvent  ausstellt, werden die wirtschaftlichen Verluste durch Krieg, Brand, Raub und  Misswuchs beklagt, die zum Verkauf der Güter in Vreyssenroide geführt haben,  die über 200 Mark Aachener Münze wert waren. Wie aus einer Urkunde aus dem  Jahre 1342 hervorgeht, besitzt nun der Markgraf von Jülich den Hof in  Friesenrath.

Seit dem Jahre 1361 lag die Verwaltung der Einkünfte der  Abtei in den Händen der Herrschaft Schönforst, ab 1396 dem jülichschen Amt  Schönforst. Das erklärt, warum wir zahlreiche Nachrichten über das  Münsterländchen von dort haben. Erst am 29. August 1718 wurde zwischen dem  Herzog von Jülich und dem Abt Graf von Suys eine Teilentvogtung vereinbart.

Aus den Jahren 1445, 1651 und 1707 gibt es alte  Einkünfteregister, die einen Beitrag zur Aufhellung der Vergangenheit der Orte Hahn und Friesenrath leisten können. Darin tauchen auch die ersten Namen von  Friesenrather und Hahner Bürgern auf.

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